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Spiritusbereitung (117 x gelesen)

Die Spiritusbereitung.
Werden alkoholische Flüssigkeiten destilliert, so gewinnt man eine Flüssigkeit,
welche  Branntwein genannt wird,   wenn Sie  40—50%  Alkohol enthält,
Spiritus (Weingeist), wenn der Alkoholgehalt mehr als 50% beträgt.
Rohstoffe
1. Stoffe, welche Stärkemehl enthalten:
Kartoffeln, Roggen, Weizen, Gerfte, Hafer, Mais und Reis, Hirse, Buchweizen,
Erbsen, Linsen, Bohnen, Kastanien, Eicheln etc, sogar cellulosehaltige Stoffe,
als Holz, Papier, Stroh, Blätter, Flechten und Moose.

2. Stoffe, welche zu der enthalten, z.B. Zuckerrohr, Rüben, Dbft, Honig, Milch etc
3. Stoffe, welche schon Alkohol enthalten: Wein und Bier.

Die Spiritusbereitung umfaßt:
1. Darstellung der zuckerhaltigen Flüssigkeit,
2. Gärung derfelben und
3. AbScheidung des Alkohols durch Destillation.

Die Darstellung der Maische.
Um Kornbranntwein zu bereiten, wird das Roggen oder Weizen oder Gerstenmalz in
derselben Weise wie beim Bier geschroten, eingeteigt, abgekühlt und der Gärung
unterworfen durch Bier oder Preßhefe.
Die Gärung findet in offenen Gärbottichen bei einer Anfangstemtperatur von 15—20°
und einer Endtemperatur von 30° statt. (Obergärung.)
Um Kartoffelbranntwein zu gewinnen, werden die Kartoffeln gewaschen, gedämpft, zerkleinert,
die Masse eingemaischt, die Maische abgekühlt und der Gärung unterworfen.
Da aber die Kartoffeln wohl Stärkemehl, aber nicht den Umbildner, die Diastase,
enthalten, so giebt man der Kartoffelmaische Gerstenmalz bei.
Nach erfolgter Gärung ift die Maische weingar oder reif.

Von nun an ist die Brennerei verschieden vom Brauen; denn bei ihr wird der Alkohol
durch Destillation von der alkoholiscvhen Flüssigkeit getrennt.
Die weingare Maische ist ein Gemenge von nichtflüchtigen Stoffen, wie Fasern,
Malzhülsen (Treber), Salzen, Hefen, Säuren, und von flüchtigen Stoffen, wie Alkohol,
Fuselöl und Wasser. Die letzteren werden durch die Destillation von den nichtflüchtigen geschieden.
Alkohol siedet bei 78° und geht dann über; Wasser erst bei 100°.
Erhitzt man beispeilsweise bis 90°, so wird von dem Alkohol der größte Teil dampfförmig
entweichen, aber auch vom Wasser wird schon eine beträchtliche Menge übergegangen sein.
Bei Beginn der Destillation bestehen darum die Dämpfe aus viel Alkohol und
wenig Wasser, später aus mehr Wasser, endlich nur aus Wasser.

Der Rückstand der Destillation heißt Schlempe; diese enthält unzersetztes Stärkemehl,
stickstoffhaltige Substanzen, Dextrin, Hülsen, Hefe etc. und ist ein gutes Mastfutter.
Mit dem Alkohol und Wasser ist aber auch das schon genannte Fuselöl übergegangen;
es verleiht dem Branntwein einen unangenehmen Geruch und Geschmack.
Um das Destillat von ihm zu befreien, läßt man die Dampfgemische
durch einen Apparat streichen, in welchem sich Kohle befindet; diese absorbiert das Fuselöl.

Quelle: Lehrbuch der Chemie 1901

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